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Wo ist die Sonne?

Im Hausflur war es dunkel. Schwaches Licht schien durch die Fenster. Das zehn Uhr Licht des Winters. Grau, dreckig und kalt. Trotzdem ließ ich das Licht aus.  Nachdem das Flurlicht zwei Monate lang defekt war, hatte die Hausverwaltung die alten Glühbirnen, durch gleißend, hellblau leuchtende LED Birnen ersetzt. Schaltete man sie ein, wurde man schlagartig in ein High Tec Grusellabor eines Pharmariesen gebeamt, der Ohren und andere Körperteile auf der Haut von Mäusen wachsen lässt. Ich blieb stehen. Auf was wartete ich? Ich hörte mich schwer ausatmen und mit dem Verklingen des Atemgeräusches, hatten sich winzige Sonnenstrahlen durch die dreckigen Flurfenster gekratzt. Sie war also noch da, die Sonne. Mit wachsender Energie lief, nein sprang ich die Treppen hinunter, nur um auf dem nächsten Absatz festzustellen, dass die Sonne schon wieder verschwunden war. Ich versuchte aus dem Fenster einen Blick auf den Himmel zu erhaschen, doch der Hinterhof war zu klein, die Häuser zu hoch und d...

Die Mauer (Teil 5)

Richard holte aus seinem Rucksack fünf Capes. Sie waren schwarz/weiß und mit einem Muster bedruckt, dass einem QR-Code ähnelte: "Wenn ihr da raus wollt, solltet ihr die überziehen." Luci hielt einen der Umhänge hoch und beäugte ihn misstrauisch. "Nicht gerade unauffällig.", kommentierte sie und zog den Umgang über den Kopf. Der Stoff war leicht und an Schultern, Hüften und an den Knien unförmig ausgestellt. "Tarnfarben sehen anders aus…", stellte Marlene fest. "Können die Dinger ihre Farbe verändern, oder sowas?"  "Müssen sie nicht.", grinste Richard und es war das Grinsen, das er aufgesetzt hatte, als ich ihn zum erste Mal sah. Schelmisch und liebenswert. "Es ist unmöglich sich unsichtbar zu machen." Wir schauten ihn aus unseren Capes stutzig an. "Vor menschlichen Augen würde es vielleicht gehen, aber nicht vor den Kameras an den Drohnen, die in ungefähr fünfzehn Minuten hier sein werden."...

Die Mauer (Teil 4)

Unsere Bombe hatte ein zwei Mal zwei Meter großes Loch in das Haus und dann in die Mauer dahinter gerissen  Als sich der Staub gelegt hatte, konnte ich hindurchsehen. "Das war zu einfach.", rief Richard zu mir. Er kam, genau wie die anderen, zu mir herüber gelaufen. "Wo war die Explosion?, rief Rose enttäuscht. Luci lief schon vor zum Loch: "Sie ist einfach durchgeflogen." "Das Ding war ja wohl auch eher eine Rakete, als eine Bombe.", stellte Marlene fest. Wir gingen langsam vor zu Luci, die vor dem Loch auf die Knie gesunken war. Sie schüttelte ungläubig den Kopf. "Fuck!", schrie sie auf einmal. "Was für eine gigantische Scheiße!" Erschrocken blieben auch wir vor dem Loch stehen. "Wummmms!", eine Erschütterung in der Ferne ließ die Erde erbeben.  "Klingt so, als wäre unser Bombe doch noch irgendwo eingeschlagen.", bemerkte ich. Ziemlich weit weg sah ich Rauch aufsteigen.  Unser Bombe, die tatsächlich eine...

Die Mauer (Teil 3)

Die Mauer (Teil 3) C-Central war der größte Platz in Morgan. Kleine Alleen führten von den Nebenstraßen zum Rondell des Platzes in dessen Mitte ein großer Springbrunnen thronte. Die Architekten hatten sich Mühe gegeben, dem sonst eher praktischen Äußeren des Quartiers Klasse und Eleganz zu verleihen. Morgan war dicht bebaut, aber nicht so hoch, denn es lag an der Mauer, was es für viele Bewohner unserer Kontinenten Gemeinschaft unattraktiv machte. Status und Wohlstand zeigten sich an dem Level, auf dem man lebte. Je höher das Level war, desto angesehener war man und umso weiter oben lebte man. Doch in Morgan gab es nur maximal fünf Stockwerke. Niemand sollte hinter die Mauer schauen. Ich stellte mein E-Bike direkt am Brunnen ab. Aus den Augenwinkeln hatte ich die anderen schon entdeckt. Alle, außer Richard. “Wo war er nur?”, fragte ich mich und richtete meinen Blick auf den Brunnen, der auf den ersten Blick, dem Modell unseres Sonnensystems nachempfunden war. Doch es gab einen en...

Die Mauer (Teil 2)

Als ich die Treppen herunter lief, musste ich an die Bombe denken. Hatte ich alles richtig berechnet? War der Behälter richtig verschweißt? Funktionierte die Elektronik? Waren die anderen schon an der Mauer angekommen? Man hatte die Häuser direkt an die Mauer gebaut. Fünf Etagen. Direkt nebeneinander. Bunte Häuser. Jedes in einer anderen Farbe. Die Mauer sollte unsichtbar bleiben. Unangreifbar. Keinen Platz für Graffiti und Müll bieten. Und doch konnte man immer wieder Botschafter auf ihr entdecken. Als ich neun Jahre alt war und wegen eines Streits mit meiner Mutter nicht schlafen konnte und im Bett meine Lieblingscomics von Bo Hin dem Meisterdetektiv las, entdeckte ich einen Schatten am Fenster. Ich dachte mir nichts dabei und legte mich schlafen. Später in der Nacht schreckte ich, durch ein Geräusch von draußen, aus meinem Schlaf hoch. Ohne zu überlegen rannte ich zum Fenster und drückte den Knopf, der die Abschattung hochfahren ließ. "Mist!", hörte ich eine Stimme ...

Die Mauer

Als ich klein war, lebte ich an der Mauer. Allen Kindern wurde damals die gleiche Geschichte erzählt: Marox und seine Herde schwarzer Trolle wohnten im Land Mosak, hinter der Mauer. Die Trolle waren klein, schnell und sie würden jede Gelegenheit nutzen, hinter die Mauer zu gelangen. Deswegen war die Mauer 33 Meter hoch und fünf Meter dick. Die Häuser, die nah an sie heran gebaut waren, waren niedriger als die übrigen Häuser. Niemand konnte auf die andere Seite sehen.Wer dem Marox jemals in die Augen schauten sollte, könnte ihm keinen Wunsch abschlagen. Er würde sich in sein Gehirn einnisten, wie ein Parasit, ihm alle Freude am Leben nehmen und ihn dazu verführen, die Mauer zu zerstören. Dann würden er und seine Trolle uns überrennen und auffressen. Durch das offene Fenster drang der Lärm der Wetterjäger, die aufstiegen um den Tornado zu bekämpfen, der sich gerade an Ostküste bildete. Mein Vater war einer der Piloten. Als ich dreizehn war, bekam er die Stelle und wir zogen weg von d...

Dämon

Und im Krieg traf er Dämonen. Dunkler und böser als er es sich hätte jemals vorstellen können. Sie aßen von den Toten, sie aßen von dem Feuer und sie aßen von den Seelen der Menschen. Und er wusste, dass es Dämonen waren. Er sah, dass sie scheußlich und grausam waren. Und er sah, das sie keine Angst hatten. Er aber hatte Angst und er wollte nicht sterben. Um ihn tobte der Wahnsinn, das Grauen des Krieges und der Dämon lachte und schmatzte so, das es ihm bald gefiel. Und als ein Anderer kam er aus dem Krieg in die ausgebombte Stadt. Sein Gesicht war zu einer hässlichen Fratze geworden und seine Augen waren Eis und Feuer zugleich aber tot, tot, tot. Und er nahm sich eine Frau und er zeugte sich Kinder und er baute sich ein Imperium aus Firmen. Und die Menschen schauten zu ihm auf, sie bewunderten ihn und sagten, dass ist ein Mensch, der hat es geschafft. Doch längst war er kein Mensch mehr, denn er hasste die Menschen und ...

Papier und Tinte

In der Hand ein Liebesgedicht. Papier und Tinte. Das Gedicht stimmt nicht. Trifft nicht mein Gefühl, dass keine Worte hat. Ich will manchmal einfach nur fallen und zerspringen. Wissend, dass du mich wieder zusammen setzt. Will ganz laut schreien und weinen und wissen, dass du es hörst. Ich will allein sein, um immer zu dir zurück kehren zu können. Ich brauche dich. Ich will, dass du stark bist, will, dass du Papier und Tinte bist, wenn ich mich in Gedanken verloren habe.

Weihnachtsgeschichte

Das Schwarz der Nacht glänzt im Regen. Kalt und sauber. Der klare Klang der Tropfen auf dem Blech der Dächer hallt durch den Innenhof. Sonst Stille. Sonst Frieden. Neuer Realismus. Neue Poesie. Alles wird neu sein. Das neue Jahr bringt ein Kind. Ein Kind, dem die Geschichten noch fehlen. Ein Kind, für das Angst und Freude noch rein sind. Ich aber hänge noch an den Geschichten. Geschichten, die alles besser machen oder Schwarz/Weiß. Geschichten, bei denen ich den Verlauf bestimme. Geschichten, die ich bewege und die am Ende mich bewegen. Tag für Tag gewinnt das Leben an Realität. Ein Albtraum... Ein Traum... Dem Kind, das keine Geschichten kennt, werden seine Mutter und ich bald das Wichtigste auf der Welt sein. Welche Geschichten werden wir ihm erzählen? Welche Lieder ihm vorsingen? Wie werden wir es trösten, wenn es an der Realität krankt? Wir werden ihm Geschichten erzählen, vom größten Traum der Menschheit: Von Liebe und Freiheit. Und es werden gute, schöne Geschichten s...