Weihnachtsgeschichte

Das Schwarz der Nacht glänzt im Regen. Kalt und sauber. Der klare Klang der Tropfen auf dem Blech der Dächer hallt durch den Innenhof. Sonst Stille. Sonst Frieden.
Neuer Realismus. Neue Poesie. Alles wird neu sein. Das neue Jahr bringt ein Kind. Ein Kind, dem die Geschichten noch fehlen. Ein Kind, für das Angst und Freude noch rein sind.
Ich aber hänge noch an den Geschichten. Geschichten, die alles besser machen oder Schwarz/Weiß. Geschichten, bei denen ich den Verlauf bestimme. Geschichten, die ich bewege und die am Ende mich bewegen.
Tag für Tag gewinnt das Leben an Realität. Ein Albtraum... Ein Traum...
Dem Kind, das keine Geschichten kennt, werden seine Mutter und ich bald das Wichtigste auf der Welt sein.
Welche Geschichten werden wir ihm erzählen? Welche Lieder ihm vorsingen? Wie werden wir es trösten, wenn es an der Realität krankt?
Wir werden ihm Geschichten erzählen, vom größten Traum der Menschheit: Von Liebe und Freiheit. Und es werden gute, schöne Geschichten sein. Geschichten voller Widersprüche und Zweifel und voller Hoffnung und Leidenschaft.
Also Auf! Auf! ihr lieben Menschen. Lebt das Leben eurer Träume! Liebt verzweifelt! Liebt leidenschaftlich!
Damit die Geschichten, die wir erzählen, wahr werden. 
Und wenn am 24. ein alter Mann mit Bart an eure Tür klopft, bittet ihn auf einen Gin Tonic herein und erzählt ihm alles, was euch auf dem Herzen liegt. Lasst das "stark sein" weg. Heult, schreit und lacht. Bald schon wird der alte Trottel eingeschlafen sein und ihr könnt euch über den Sack mit den Geschenken her machen. Und keine Sorge wegen der anderen Leute, die auf den rot ummantelten Zauselbart warten... Den Weihnachtsmann gibt es nämlich gar nicht.
Frohes Fest und guten Rutsch ins Jahr 2015!

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