Dämon
Und im Krieg traf er Dämonen. Dunkler und böser als er es sich hätte jemals vorstellen können. Sie aßen von den Toten, sie aßen von dem Feuer und sie aßen von den Seelen der Menschen.
Und er wusste, dass es Dämonen waren. Er sah, dass sie scheußlich und grausam waren. Und er sah, das sie keine Angst hatten.
Er aber hatte Angst und er wollte nicht sterben.
Um ihn tobte der Wahnsinn, das Grauen des Krieges und der Dämon lachte und schmatzte so, das es ihm bald gefiel.
Und als ein Anderer kam er aus dem Krieg in die ausgebombte Stadt. Sein Gesicht war zu einer hässlichen Fratze geworden und seine Augen waren Eis und Feuer zugleich aber tot, tot, tot.
Und er nahm sich eine Frau und er zeugte sich Kinder und er baute sich ein Imperium aus Firmen. Und die Menschen schauten zu ihm auf, sie bewunderten ihn und sagten, dass ist ein Mensch, der hat es geschafft.
Doch längst war er kein Mensch mehr, denn er hasste die Menschen und wollte sich selbst nicht hassen.
Also säte er Hass, also säte er Neid.
Und in seinem Geschwür lebten die Menschen, die nichts mehr wollten, als geliebt zu werden.
Doch sie bauten Mauern aus Angst, versteckten sich hinter Masken aus Zahlen und beteten den Dämonen an, den sie zugleich neideten und hassten.
Wir haben längst gelernt zu lieben, was wir hassen. Die Abhängigkeit, die Unterdrückung, die Ausweglosigkeit, die Grenzen. Wir verabscheuen das Andere, das Fremde, aus Angst davor, dass es ein Teil von uns sein könnte. Das wir anders sein könnten. Und wir reduzieren das Mensch sein auf Nationen und Profile und wir gefallen uns, in der Bewertung unseres Lebens. Und wir scheuen den Blick in uns hinein, weil wir den Dämon fürchten, der an unserem Fleisch nagt und in uns ohne Widerstand haust. Wir fürchten uns vor uns selbst.
Und ich weiß nicht, warum wir all das tun. Aber wir sollten es ändern.
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